Schreckhafte Hunde – das kannst du tun

von Okt 18, 2021Alltag

Hund schläft
Laute Geräusche machen deinem Hund Angst? Dann mach du dir zunächst keine allzu großen Sorgen: Schreckhaftigkeit ist ein weit verbreitetes Phänomen unter den Vierbeinern. Schließlich haben sie ein sehr viel besseres und empfindlicheres Gehör als wir Menschen und nehmen Töne sensibler und auch aus weiter Entfernung wahr. Mit einigen Tricks allerdings kannst du es schaffen, deinen Hund langfristig an plötzliche Laute und anhaltenden Lärm zu gewöhnen.

Schrecksekunde oder Charaktereigenschaft?

Du kennst es von dir selbst: Bei einem plötzlichen und unerwarteten Knall oder ohrenbetäubendem Lärm zuckst ganz bestimmt auch du zusammen. Nicht anders ergeht es Tieren – allerdings kommt hier eine weitere Problematik hinzu: Du kannst deinen Hund vor erwartbaren Geräuschen nicht warnen. Steht also Silvester vor der Tür oder wirfst du die Flaschen in den Container, bist du gewappnet, dein Vierbeiner nicht. Ein kurzer Schreck ist also auch bei deinem Hund noch kein Grund zur Beunruhigung. Die Betonung liegt allerdings auf „kurz“, denn im Normalfall sollte er sich nach einigen Minuten wieder beruhigt haben. Genau hier nämlich musst du unterscheiden zwischen einer Schrecksekunde und echter Panik. Denn legt sich die Unruhe nicht, können ohne deine Einwirkung aus anfänglicher Nervosität chronische Angstzustände entstehen, sich der Cortisolspiegel des Tieres dauerhaft auf einem erhöhten Niveau einpendeln und bis zu einer Schwächung des Immunsystems und einer kompletten Erschöpfung führen. Beachte deinen Hund daher genau: Die folgenden Verhaltensweisen können Anzeichen für eine tieferliegende Störung sein:

● Fortlaufen, Verstecken
● Vermeidung bestimmter Orte
● Erbrechen, Appetitlosigkeit
● Hecheln, schnelles Atmen, Herzrasen
● panischer Blick, Winseln
● Jaulen, Bellen
● erhöhte Reizbarkeit, Aggression
● Unruhe, Zittern
● übermäßige Anhänglichkeit

Ursache und Wirkung

Das menschliche Gehör nimmt Geräusche unter 20 Dezibel nicht wahr und empfindet Laute über 50 Dezibel als unangenehm laut. Sie haben besonders große Ohrmuscheln, können ihre Ohren optimal auf die Lärmquelle ausrichten und nehmen so für Menschen unhörbare Töne wahr. Entsprechend unangenehm erscheint ihnen bereits die Nutzung von Haushaltsgeräten oder Werkzeugen wie Stabmixern oder Akkuschraubern: Sobald du sie anstellst, schreckt dein Hund auf. Hier kannst du bereits ansetzen und versuchen, ihn an regelmäßig wiederkehrende Geräusche zu gewöhnen.

Quelle ausschalten

Finde zuallererst heraus, ob es immer dieselben Schallquellen sind, auf die dein Hund schreckhaft reagiert. Springt er auf, sobald du das Radio einschaltest, beginnt er zu zittern, sobald ihr auf eurem Spaziergang eine Baustelle passiert? Sei aufmerksam und ändere deine Verhaltensweisen oder vermeide bestimmte Orte. Höre Musik in geringerer Lautstärke, suche dir einen anderen Weg zum Wald, kaufe ein leises Staubsauger-Modell. Gerade Staubsauger gibt es in vielen Geräuschklassen, sodass bei längerer Hausarbeit nicht auch gleich der Lärmpegel enorm sein muss.

Stress vermeiden

Ein großer Sturm ist angekündigt, Neujahr steht vor der Tür? Verlege deine Spaziergänge auf frühere Tageszeiten und bleibe mit deinem Hund zu Hause, sobald der Lärm beginnt. So vermeidest du Stresssituationen, die dein Tier zusätzlich verunsichern könnten.

Vorbild sein

Hunde fühlen sich Menschen besonders stark verbunden. Dein Hund beobachtet dich genau, er erkennt deine Reaktionen auf bestimmte Anlässe und wird sie auf sein eigenes Verhalten übertragen. Beeinflusse ihn also positiv, indem du selber ruhig bleibst. Wirst du aufbrausend oder schreckst selbst zusammen, wird dein Hund seine Schreckhaftigkeit nicht ablegen.

Vertrauen aufbauen

Je mehr dein Hund dir vertraut, desto ruhiger wird er auch in ungewöhnlichen Situationen und bei plötzlichen Geräuschen bleiben. Vermittle ihm das Gefühl, dass er sich auf bei vermeintlich drohender Gefahr auf dich verlassen kann – denn genau diese stellen durchdringende Töne für ihn dar. Bemerkst du seine Unsicherheit, bleib unbedingt in seiner Nähe und agiere selbstbewusst. So gibst du ihm die benötigte Sicherheit.

Ablenkung schaffen

Du kannst nicht immer an der Seite deines Hundes sein. Gehst du zur Arbeit und an eurem Nachbargrundstück wird gebaut, richte deinem Hund für anstehende Bohrarbeiten einen komfortablen Rückzugsort ein. Geborgenheit kann hier eine Hundebox bieten, mit Decken und Kissen kannst du Lautstärke dämpfen und ihm eine gemütliche Höhle schaffen. Lege auch Spielzeug oder Kauknochen mit in sein Versteck – so kann er sich mit etwas anderem beschäftigen und ablenken, bis du zurückkommst.

Gewöhnung trainieren

Versuche, deinen Hund an verschiedene Geräusche zu gewöhnen. Optimalerweise beginnst du mit dem Training im Welpenalter, doch auch älteren Tieren kannst du mit Geduld noch die Angst vor bestimmten Lauten und Lautstärken nehmen. Schreckt dein Hund bereits zurück, sobald die Feuerwehr oder S-Bahn vor dem offenen Fenster entlangfahren? Dann kippe es für einige Wochen nur an, bevor du es wieder komplett öffnest.

Belohnen statt strafen

Das Training wirkt, dein Hund schreckt nicht mehr bei jedem kleinsten Geräusch zusammen? Das ist ein Hundekeks wert. Setze unbedingt auf Belohnung statt auf Strafe! Mit Zwang wirst du die Ängstlichkeit deines Hundes nur vergrößern, mit seinem Lieblingssnack, lobenden Worten und Streicheleinheiten hingegen sorgst du für eine zusätzliche Beruhigung. Nach und nach wird er so seine Unsicherheit verlieren und von Mal zu Mal weniger schreckhaft reagieren.

Hilfe von außen holen

Hast du alles in deiner Macht Stehende getan, doch dein Hund bleibt schreckhaft, dann geh einen Schritt weiter und mit ihm zum Tierarzt. Mit ihm kannst du besprechen, ob sich dein Hund voraussichtlich durch Therapien bei einem qualifizierten Verhaltenstrainer an die angstauslösenden Geräusche gewöhnen wird oder du alternativ bestimmte Nahrungsergänzungsmittel verfüttern solltest. So werden den Aminosäuren L-Tryptohan und L-Theanin beruhigende Effekte zugeschrieben, auch mit Duftstoffen lassen sich ängstliche Tiere erfolgreich behandeln.

Beruhigungsmittel und Medikamente

Während du mit pflanzlichen Mitteln jederzeit dein Glück versuchen kannst, halte vor der Vergabe von Medikamenten auf jeden Fall Rücksprache mit einem Veterinärmediziner. Denn er wird dir zwar mit Sicherheit etwas zur Beruhigung deines Hundes verschreiben können. Doch bedenke, dass Arzneimittel nur die Symptome behandeln können, nicht allerdings die Ursachen. Für eine langfristige Lösung des Problems eignen sich diese Mittel insofern nicht.

Sonderfall Silvester

Halloween ist das genaue Gegenteil: Am Fest der Allerheiligen kann dein Hund sogar Spaß haben. Zwei Monate später wird es allerdings bei vielen ernst. Bedenke, das am 31. Dezember bereits tagsüber mit Knallkörpern experimentiert wird. Greife beim Spaziergang daher zu Geschirr statt einfacher Leine und lass deinen Hund abends nicht alleine. Vermeide den Aufenthalt in zur Straße gelegenen Räumen und schließe die Vorhänge – so dämpfst du den Lärm und blendest optische Reize von außen aus. Mit moderater Musik und beruhigenden Worten wirst du mit deinem Hund gemeinsam ohne Schrecken das neue Jahr begrüßen können.

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